Strukturelle Probleme WUNDERSCHÖN individuell gelöst

Gestern Abend war ich im Kino Mond & Sterne in München, um den Film Wunderschön zu sehen. Im Kern geht es in dem Film, der Anfang des Jahres in den Kinos zu sehen war, um den allgegenwärtigen Optimierungswahn und die Frage wofür denn eigentlich? Wieviel mehr Lebenszeit könnte wir leben, lieben, lachen, glücklich sein, wenn der permanente Abgleich mit außen wegfiele. Wichtiges Thema und wenn ein leichter deutscher Kinofilm mit urkomischen neben melodramatischen Szenen zum Nachdenken anregen kann: warum nicht? Also schaut ihn euch an!

Und wenn ihr ihn euch anschaut, achtet doch mal darauf, inwieweit hier das Nebeneinander von Erwerb und Care ebenfalls unterschwellig thematisiert wird. Das hat mich nämlich dazu veranlasst, diesen kurzen Beitrag zu schreiben. Da geht es um die Mutter Sonja, die nach der zweiten Babypause wieder arbeiten möchte. Ihr Mann Milan, gerade frisch befördert, hat für die Idee wenig übrig. Es ist und bleibt kaum auszuhalten, wie selbstverständlich die alten Rollenmodelle noch die dominierende Realität darstellen. Und die Frage ihrer Freundin, ob Sonja denn wirklich mit ihrem Mann tauschen wolle, halte ich für sehr gefährlich, weil zu kurz gedacht. Es geht nicht darum, ob die Frau lieber das Familieneinkommen nach Hause bringen möchte und der Mann die komplette Care-Arbeit übernehmen soll. Nicht nur vernachlässigt diese Denkweise, dass Frauen 9 Monate schwanger sind und weitere 12 Monate stillen können. Sie ignoriert auch, dass solange wir Care-Arbeit nicht bezahlen, eine Abhängigkeit innerhalb der Elternschaft entsteht – zu Ungunsten derer, die unbezahlte Care-Arbeit verrichten. Was ist, wenn er sich morgen in eine andere verliebt? Was ist, wenn er morgen arbeitsunfähig wird oder Schlimmeres? Was, wenn sie ihn nicht mehr liebt?

Eine ganze Generation von alleinerziehenden Müttern steuert auf ein Leben in Altersarmut zu.

In unserer aufgeklärten Zeit sollte aus meiner Sicht die finanzielle Unabhängigkeit derer, die den Fortbestand unserer Gesellschaft sichern, endlich einmal gelöst werden!

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#fundstück 1

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Und jetzt pflegen wir!